107 Thesen

1. Ehre den grünen Spargel, denn er hat mehr Weisheit als der Papst.

2. Schere deinen Golden Retriever, wenn ihm der Pelz zu lang. Er kann für nix nichts, und du musst außerdem weniger saubstaugen.

3. Schlafe, wenn du müde bist, Uhrzeit egal. Guckt dein Chef komisch, so kündige.

4. Verschlinge nicht deinesgleichen, denn das Sodbrennen könnte dich schädigen.

5. Setze dich für die Weltregierung nach dem kurzfristigen Rotationsprinzip ein, um die nationalen Sesselfurzerposten einzusparen und das Gesparte an Hungrige weitergeben zu können.

6. Hinterfrage das Fegefeuer, niemand konnte lebend von ihm berichten. Fege besser den Eingangsbereich vor deinem Haus und feuere deinen Kamin an, damit du es warm hast.

7. Glaube, wenn du glauben willst, und wenn du nicht an Glauben glaubst, dann erkenntnisse eben.

8. zu 7. und berichte darüber, am besten schriftlich im Internet.

9. Lösche täglich deinen Browserverlauf, damit

10. das Böse nicht Einzug in deine Stube hält.

11. Solltest du bis heute gedacht haben, du seist nicht religiös, versuche es mal mit religere und der ersten Zelle.

12. Finden schlaue Großkapitalisten Steueroasen, so frage dich, wieso du nicht auch so schlau warst. Vielleicht hast du das Falsche gelernt.

13. Theologie rekurriert auf das Lied Theo wir fahren nach Lodz und nicht umgekehrt.

14. Ein Berserker kann auch nützlich sein, z. B. um böse Mauern einzureißen.

15. Ein großes, komfortables Auto für dich ist gut, denn es bringt dich sicher an den Ort, an dem du das Heil verkünden willst.

16. Zu 15: Das Heil ist für jeden etwas Anderes, also verkünde es nicht, sondern halte besser die Schnauze und fahre mit deinem großen, komfortablen Auto einfach nur spazieren.

17. Scripta Manent ist die Ur-Lüge schlechthin, denn die Sonne zehrt sich auf und dann ist nix mehr da von unserer Welt.

18. Höhlenmalerei nützt da auch nichts (zu 17).

19. Bilder auch nicht (zu 17).

20. Bücher schon gar nicht (zu 17).

21. Kusel ist nicht Berlin.

22. Liegst du am Boden, so stelle die Vorteilsfrage.

23. Kaufe nichts bei Aldi, wenn du es bei REWE teurer kaufen kannst.

24. Schaue so lange in den Spiegel, bis du siehst, dass du nichts siehst.

25. Huldige jeden Abend deinen Füßen und sei froh, dass du welche hast.

26. Klone dich nicht, du selbst bist der Welt Schrecken genug.

27. Frage dich, so oft du kannst: Was mache ich hier eigentlich?

28. Setze dich dafür ein, dass jedes den schnellsten vor Ort verfügbaren Internetanschluss hat, damit:

29. jedes spielen streamen schauen uploaden downloaden kann, denn:

30. Online-Computer-Spiele sind wichtig, Krimis gucken auch, all das reinigt die Seele.

31. Schaffe bei deinen Kindern, sofern du welche hast, Einschulungspartys ab. Organisiere stattdessen besser eine Trauerfeier, deine Kinder wissen, warum (siehe Pink Floyd: We don’t need no usw.).

32. Let the children play (siehe Carlos Santana).

33. Spiele selbst, z. B. online agar.io. Zellen fressen Zellen.

34. Tanze nackt bei Vollmond im Wald. Die Steinpilze werden es dir danken.

35. Huldige jeden Abend deinen Augen und sei froh, dass du noch halbwegs gerade gucken kannst.

36. Stelle Thesen-Vorgaben in Frage, wenn du  anstatt auf 95 – auf 107 kommst. Oder nur auf 20. Dann heule einfach.

37. Lass beim Doc regelmäßig deine Harnsäurewerte kontrollieren. Zu viel Spinat ist ungesund (=> Popeye).

38. Scheint es dir, du habest eine gebrochene Vita @ Lebenslauf @ Bewerbungen, so frage dich, ob diese Welt zu dir passt.

39. zu 38: und nicht umgekehrt.

40. Du kannst nichts dafür, dass diese Welt nicht zu dir passt (sofern du das denkst. Vielleicht passt sie dir ja auch und gerade jetzt in deinen Kram).

41. Niemand hat dich gefragt, ob du leben willst, also:

42. guck, was du mit dieser herrlichen Freiheit anfangen willst.

43. Der Silberreiher kann nichts dafür.

44. Füchse fressen Küken, wenn sie Hunger haben. Sei dir dessen bewusst.

45. Teelichte und Grableuchten kannst du auch bei dir zu Hause zünden: du musst dafür nicht in ein Vereinshaus gehen.

46. Wenn du keine Zwiebeln magst, so äußere es.

47. Wenn du Zwiebeln magst, sie jedoch deiner Verdauung nicht gut tun, so äußere es.

48. Brauchst du ein Fahrrad, kannst dir jedoch keines leisten, so stiehl eines. Wisse aber, dass das kosmische Gesetz vom Geben und Nehmen dir dafür deinen Wellensittich holen wird.

49. Huldige jeden Abend deinem Gehör. Freue dich, dass du hörst, was du hörst.

50. Hörst du nicht mehr gut, so gehe zum Hörgeräteverkäufer.

51. Freust du dich einmal nicht wegen deiner Situation, so freue dich trotzdem, denn

52. es könnte schlimmer kommen, was

53. dann meistens auch so ist. Keiner weiß warum.

54. Geh mit oberflächlichen Geschwüren zum Hautarzt oder Chirurg, hier nützt Salbeitee nichts.

55. Kaufe dir keinen Laubsauger, wenn es auch der klassische Besen tut.

56. Besorge dir ein Windrad und stecke es auf deinem Balkon in den Hauswurz.

57. Hinterfrage die Macht, die in einer Bewegung steckt.

58. Zweifle am Regenbogen.

59. Zweifle an dem, was sie dir online an Nachrichten anbieten.

60. Zweifle am Zweifel.

61. Zweifle an den Buchstaben.

62. Zweifle Thesen an.

63. Zweifle einfach alles an.

64. Zweifle deine eigene Meinung an, sie ist ein Scheißhaufen im Hof (Beseitigung: siehe 55).

65. Tue jeden Tag Gutes: es genügt schon, wenn du niemandem auf den Sack gehst.

66. Verehre die Marder, die sich trotz elektronischen Marderschrecks unter die Motorhaube deines Wagens setzen und dort das erbeutete Brot knuspern, das dein Nachbar eigentlich für die Krähen und Amseln ausgelegt.

67. Sei dir bewusst, dass dein Bauch nie so schön rot sein wird wie der des Dompfaffmännchens.

68. Öle deine Wohnungstüren, wenn sie knarren.

69. Töte keine Hornissen, denn ihr Stich kann tödlich sein.

70. Wisse, dass du die Menschheit nicht retten kannst; sie will ja gar nicht gerettet werden, denn

71. das System Mensch ist von Anfang an nur auf Abzockerei ausgelegt; warum sollte es auch gerade beim Mensch anders sein als beim Fuchs? (siehe 44)

72. Ergreife nicht Partei, denn sie könnte dir dein Kreuz zum Kreuz machen.

73. Beschäftige dich lieber mit Sudoku und Fußball. Du tust niemandem weh damit.

74. Huldige jeden Abend deiner Verdauung, denn schon morgen könnte sie gestört sein.

75. Hast du kein triebgesteuertes Glück auf tinder et al, so gehe in den Wald und umarme Bäume. Sie sind verlässliche Partner.

76. Sollte es dir zu wohl sein, so verfasse 107 Thesen. Ich sag’s dir: Dante Alighieri hätte seinen Spaß daran.

77. Wird ausgelassen in Huldigung der doppelten Heiligen Zahl in Verneigung vor denen, die noch an Zahlen glauben. Ansonsten siehe: 7. und 8.

78. Die Rente der Deutschen Rentenversicherung Bund ist sicher. Fragt sich nur, wie lange man hinzuverdienen muss, bis man sich in Kuschel-Plüsch-Pantoffeln vor den Herd setzen kann. Arbeite einfach bis zum Umfallen, dann ist das kein Thema für dich. Vor dem Herd blöd rumsitzen ist eh langweilig.

79. Poste nichts im Internet, das bringt dich nicht weiter. Stelle vor allem keine Thesen auf, sie werden wie Bumerangs auf dich zurückkommen und dir den Schädel zertrümmern. Sei einfach ruhig und mach dein Ding.

80. Thesen aufstellen ist was für Blöde. Schon morgen kann die Welt ganz anders aussehen, sofern du nochmal wach wirst bzw. nach dem Wachwerden die Welt überhaupt noch da ist.

81. Lass keine Fremden deinen Wagen fahren, bevor du sie nicht bei der KFZ-Versicherung angemeldet hast (gilt auch für hoch auf dem gelben beim Schwager vorn).

82. Vertraue weiterhin auf dein Vertrauen, denn sonst dürftest du ja lediglich das essen, was du selbst gekocht hast.

83. Vertraue dem Müllabfuhrkalender deiner Gemeinde. Meistens stimmt er.

84. Huldige jeden Abend deinem Herzen. Es könnte ja schon aufgehört haben zu schlagen.

85. Verbeiß dich nicht in ungeklärte Fälle; sie lösen sich meist von selbst auf.

86. Und falls nicht: eine Rechtsschutzversicherung hat noch niemandem geschadet.

87. Zweifle nicht an den Wolken des Himmels: lese, was sie dir sagen wollen.

88. Suche nicht nach dem Haken in Beziehungen. Er zeigt sich früh genug von selbst.

89. Willst du jeden Tag baden, so bade. Hast du keine eigene Wanne, so geh ins Schwimmbad in den Whirlpool.

90. Ist ein Reifen deines Wagens platt, so wechsle ihn.

91. Dürstet es dich nach Promiskuität und du kannst sie dir nicht leisten: trink eine Tasse Tee. Ich empfehle Ceylon Assam + Salbei.

92. Huldige jeden Abend deinen 10 Fingern, denn es ist nicht selbstverständlich, dass du sie hast.

93. Huldige jeden Morgen deinen 10 Fingern, denn es ist nicht selbstverständlich, dass du sie hast.

94. Frag nicht, wer dein persönlicher Guru sein könnte. Frag nach dem Nest der Krähe im Baum.

95. Frag nicht, ob 95 Thesen genügen. Mach einfach 107, wenn es dir danach ist.

96. Erwartest du ein Erbe mit zehn anderen Miterben, so schlag es aus. Auch wenn es sich um ein Haus handelt. Dein Hexenhaus wird zu dir kommen.

97. Dein Hexenhaus war schon immer da.

98. Dein Hexenhaus ist in dir, vor allem morgens um 7, denn da schabst du gelbe Rüben (solltest du tun).

99. Brate Kartoffeln ruhigen Gewissens mit Schale, wenn du zu faul zum Schälen bist. Immer noch besser als vier Scheiben Schwenkbraten. Glaub’s einfach.

100. Siehst du eine Meise auf deinem Balkon, vergiss die Amsel nicht.

101. Saugst du Staub, bist du schon ein Mörder. Sei dir dessen bewusst und googele Hausstaubmilben.

102. Die Kakerlake ist die Krönung der Schöpfung (wessen auch immer). Ebenfalls nachzulesen.

103. Gefällt dir Picasso nicht, so steh dazu.

104. Achte den Regenwurm.

105. Zünde nicht den Pfälzerwald an.

106. Geh nie ohne Badekappe in den Pool.

107. Glaube mir nichts.

Zugabe:

108. Iss keine Eier, die du nicht selbst gelegt und gekocht hast.

109. Geh nicht mit Fremden aufs Hotelzimmer, sie könnten infiziert sein. Hatschi.

110. Lies jeden Tag eine Seite in einem Buch von Charles Bukowski. Das Lachen wird dein Leben beträchtlich verlängern.

111. Der Sex gehört ins Buch und nicht ins Bett, dachte sich einst ein dirty old man und erfand sich einen dauergeilen Alkoholiker.

112. Thesieren kann man viel, auch ohne Thesaurus Tyrannosaurus Saure Sahne sahnenhaft und schmeichel-artig.

113. Hol und erbe Eren. Eingefallen beim Baden mit Blick auf die Holunderbeerenseife.

114. Willst du was gelten, so mach dich selten. Wenn Bücher Ohren hätten … Der Buchmarkt ist schlimmer als die Pest. Jedes presst heute sein Mentalgeblähe zwischen Buchdeckel (was allerdings, zugegebenermaßen möglicherweise als positiv zu erachten, die Metamorphose/Therapie in Luftwerdung voraussetzt. So kommt’s wenigstens nicht zum Windungsverschluss Kurzschluss Amokschuss). Anwesende nicht ausgenommen. Möglicherweise wollte die Weisheit auch anders gesehen werden: Schreib tausend Bücher und lass dich dann nicht mehr blicken. Gruß Thomas Python, nee Phaeton, nee, der hieß irgendwie anders, ich komme nicht drauf …

115. Hast du einen querstecken oder auch einen Querstecken, so geh in den Garten und schneide die Haselnuss. Versuch nicht, den quersteckenden Querstecken längs auszurichten. Er hat Widerhaken und reißt dir Wunden in die Seele beim Versuch. Malträtiere besser die Haselnuss. Sie verzeiht gerne, und danach steckt meist nichts mehr quer.

116. Gehst du nicht über Los, weil du gar nicht weißt, wo das ist, und jemand bietet dir dennoch 4000 Mark an, so nimm sie. Die deutsche Bundesbank wechselt noch immer Mark in Euro, wenn man lieb bittet. Und sage bloß nicht: Ach, das wäre doch nicht nötig gewesen, nur weil man dich einst so gezogen. Das Universum könnte sich beleidigt fühlen und dich mit Elend und Verdammnis strafen.

117. Wenn du nicht weißt, ob du es mit Haben oder Sein haben willst (ober-lol), so versuche es damit: Mein Haben ist mein Sein, und mein Sein, na, das habe ich. Alles klar?

118. Lerne unbedingt, dich mit deinen inneren Widerständen (Hilfestellung: das sind die mit dem Ich-will-aber-nicht) und deiner Langeweile zu verbünden. Sie sind die besten Ratgeber im Kampf gegen dich resp. mit dir selbst, was dasselbe ist.

119. Ist dir der vor dir liegende Berg auf deinem Weg zu steil, so geh drum herum. Das war der wichtigste Satz bisher. Hier könnte man nun auf tausend Seiten mit dementsprechenden Erfahrungen eines fünfundfünfzigjährigen Lebens protzen. Doch wozu? Natürlich kann man das noch modifizieren: … oder gehe zurück. Manchmal ist auch Rückschritt Fortschritt. Siehe => Erfahrung. Beispiel? Nä! Selber denken macht schlau.

120. Wünschst du dir zu Weihnachten von Opa einen blauen Pulli, bekommst jedoch von Oma einen roten, und von Opa lediglich einen alten Revolver mit der Gravur Billy The Kid, bei dem der Abzug eingerostet ist, so nimm die Geschenke dankbar an. Versuche es mit dem Mantra: Alles hat immer einen Grund – bis zum Erbrechen Nach dreißig Jahren, wenn du Glück hast, wirst du den roten Pulli nicht mehr missen wollen (und bedrohst dein bis dahin viertes Ehepartneres – das den Pulli in den Sack mit den Altkleidern stecken will – mit dem Armeerevolver, weil dein bis dahin viertes Ehepartneres den Fakt des eingerosteten Abzugs noch nicht kennt). Dass Oma seinerzeit farbenblind war und Opa gar nicht an der Waffe gedient hat, erfährst du erst, nachdem der rote Pulli dein bestes Stück geworden ist.

121. Infrarot ist nicht UV (geklaut aus einer Sprechstunde bei meinem Hautarzt. Danke!)

122. Passen dir deine Eltern nicht, du hättest jedoch gerne welche, die zu dir passen, so back dir neue. Passende Rezepte hierfür findest du auf sauerbrot.eu. Und hol übermorgen der Königin Kind.

123. Willst du glücklich werden, musst du dein eigener Tatort sein.

124. Lerne, für das Erreichen deiner wahren Ziele zu warten, selbst wenn dir währenddessen die Haare und Zähne ausfallen sollten. Handle jedoch stets dann, wenn du den rechten Impuls verspürst, spätestens aber, wenn du nur noch 1 Zahn hast.

125. Gefallen dir deine Segelohren nicht, kaufe dir einen Dackel.

126. Gräme dich nicht, wenn du von der Gesellschaft aufoktroyierte Zusammenhänge nicht erkennen kannst. Entweder gibt es sie nicht, oder es gibt sie zumindest in deiner Welt nicht. Und hüte dich vor denen, die jahrzehntelang keine anderen Argumente anzubieten haben als Das-habe-ich-mal-studiert und womöglich zur Unterstreichung mit einem Blatt Papier vor deiner Nase rumwedeln. Nichts ist so überholt wie die Erkenntnis von gestern. Ausnahme: Der Dreisatz. (Nein, nicht der Dreisprung, und auch nicht der Eisprung)

127. Fürchte dich nicht vor (deiner [nicht: Seiner]) Exzellenz. Hohe Türme trifft selten (und vor allem nicht überall) der Blitz. Das ist ein Ammenmärchen, ein falsches Bild, als Trost gedacht von und für Loser. Zum Thema gibt es nachweislich Statistiken. @ Deutschland: frag Garmisch-Partenkirchen. Dort solltest du keinen hohen Turm bauen. Und wisse, dass es auch stets eine Kuh auf der Wiese treffen kann. Also sollte der Satz genau genommen lauten: Fürchte dich nicht vor deiner Exzellenz, meide jedoch das Reiten von Kühen bei Garmisch-Partenkirchen während eines Gewitters.

128. Du musst nicht alles (tun, umsetzen, verwirklichen), bloß, weil du es kannst. Möglicherweise hat man dir Anderes erzählt. Möglicherweise hat man dich gelehrt, dass du aus deinen Anlagen etwas machen musst. Vergiss es, drücke deinen inneren Reset-Knopf vor der Schublade Konditionierungen und frage die real existierenden Figuren in dir (die du natürlich erstmal entdecken musst, sofern du sie nicht schon längst umreißen kannst), wer mit wem wann warum wo welches Tänzchen tanzen will. Gehe nicht mir dir ins – konditionierte – Gericht, sondern auf die Tanzfläche. Spielst du gerne Gitarre, bist vielleicht gar ein Genius auf diesem Instrument, hast das absolute Gehör, komponierst ein Lied nach dem anderen, was deine Freundi erfreut, könntest jedoch vomitieren bei der Vorstellung, dieses zu nachtschlafener Zeit auf einer öffentlichen Bühne tun zu müssen, so spiele nach Laune auf deinem Balkon Terrasse Veranda Farm im Wald auf dem Eiffelturm (wenn sie dich hochlassen …) für die Bäume Singvögel Hühner Stahlkonstrukte Mauersteine was auch immer. Wundere dich in der Folge nicht, wenn sich plötzlich und unerwartet ein Zaunkönig auf den Kopf deines Instrumentes setzt und mitträllert. Wundere dich erst, wenn eine Mauer einstürzt. Hast du es gerne mit Zahlen Daten Fakten zu tun, füllst als Papier-und-handschriftlich-schreib-Fetischist gerne Einkommenssteuererklärungsformulare aus, willst jedoch nicht den Beruf des Steuerberateres (GNN) erlernen, so biete deine Hilfe Bekannten an, die dich dafür schwarz bezahlen. Freue dich, dass deine Leidenschaft von den Finanzamtsspioni unbemerkt blieb und gönne dir was Schönes (auszumachen mit den Figuren in dir).

129. Suche dir nach Tuchfühlung mit deinen eigenen inneren Figuren deine eigenen Beispiele, die dir zeigen, wo du noch lernen kannst: «Was hat man mir beigebracht, dass ich es muss, obwohl es mir gegen den Strich geht?» Etwa so. Wenn du lieber Massen aus einem Schweinetrog frisst, sagen wir einfach mal 1 kg Nudeln mit 0,5 kg Pfifferlingen in Saurer-Sahne-Soße, unbeobachtet, weil du gerne schlingst, egal, ob du dir dabei deine Kleider versaust, dann meide Gourmet-Restaurants. Du könntest verhungern. So einfach ist das.

130. Schreibe deine Gedanken auf (= verifizierte Psy-These @ Wohlbefinden). Du musst ja deine Schweinereien/Schmierereien nicht gleich jedem unter die Augen halten. Wenn ich mich mal selbst kurz einbringen darf: Einmal aufgeschrieben, verschwinden so ziemlich viele Albs. Der Kopf ist wieder frei für was auch immer.

131. Gehe nie ohne durchstrukturierten Einkaufszettel (Form egal, darf auch Smartphone sein) in den Markt. Dein Schwarzgeld (siehe 128) könnte sich schneller in die Sternendrift pulverisieren, als eine Kuh einen Furz lässt.

132. Glaube nie einem Zinsversprechen auf Geldanlagen. Horte dein Bargeld zuhause in Säcken. Werde aber achtsam und sei auf der Hut, wenn im Dorf der Seher die Seherin das Seheres was erzählt von Währungsreform in deinem Land.

133. Willst du deinen Kindern eine bessere Mutter sein, als dein Großonkel väterlicherseits ein Vater für seine Töchter war, pass auf! Der Galgen-Balken-Zündstoff in Familiensystemen kriecht als Pulverdampf bis rein in Atomkriege. Wasche koche putze arbeite pflichte sorge leite an liebe, liebe!, aber zwinge nicht.

134. Wenn du zum zehnten Mal Thomas Manns Zauberberg angefangen hast zu lesen und der Stoff geht einfach nicht an dich, mach es nicht an dir fest. Vielleicht bist du ein Sprinteres und brauchst Lyrik. Oder willst eigentlich gar nicht lesen und würdest lieber Basilikum und Tomaten auf deinem Balkon ziehen. Oder im Regen spazieren gehen. Oder Revolverheld hören. Oder Malen nach Zahlen malen. Oder die Wände deiner Wohnung apricot streichen. Oder oder.

135. Glaube keinen Volksweisheiten. Nach jedem Regenbogen folgt ein Sonnenschein? Nach dem Tal der Berg? Nach der Ebbe die Flut? In meinem Geldbeutel ist chronisch Ebbe schon seit ich einen habe. Das ist verifiziert. Das hat noch kein Regenbogen oder Berg geändert.

136. Unterschreibe nichts ohne 30tägiges Widerrufsrecht. 14 Tage genügen nicht. Du könntest nämlich unpässlich so lange auf den Fliesen deiner Wohnung liegen. Nach 30 Tagen bist du eher tot als nach 14. Urlaub = ähnliche Anwendung.

137. Findest du dich verirrt an einem Stammtisch wieder, an dem rotgesichtig die Politik besprochen wird, so meide Parteiergreifung. Postuliere besser, dass du gerade gestern deine eigene Partei Das Blaue Osterei gegründet hast. Habe aber ein grobes Konzept in der Tasche: Weltfrieden, genug Geld für alle, kein Hunger und Durst mehr, alle lieben sich … Der oder die mit dem höchsten Promillegehalt im Blut wird dir garantiert sein Schoppenglas in die Fresse hauen, weil er solch eine Welt nicht will (denn er oder sie hat unlöschbaren Durst und liebt dich überhaupt nicht, so arrogant, wie du daherkommst).

138. Verbünde dich in liebevoller Zuneigung mit den Dreckstellen in deiner Behausung. Du hast eh keine Chance gegen sie.

139. Deine große, einzige Lebenschance ist die, mit dir selbst klarzukommen. Das ist ganz schön viel.

140. Hühner legen schmackhaftere Eier als Elefanten. Sei also achtsam, wen du sattelst.

141. Schlagzeilen heißen so, weil sie dir einen Schlag versetzen wollen. Lies sie ruhig, lass dich aber davon nicht schachmatt setzen. Es gibt dein Leben jenseits der Gazetten, und darauf hast du ein Recht (=> 128, 129).

142. Schieße nicht mit Kanonen auf Sperlinge, sondern mit Steinschleudern auf böse Riesi. Genug Steine auf böse Riesi, und sie bröckeln. Verifiziert durch die Geschichte der Menschheit. Selbst zu ersuchmaschinen. Fragt sich nur, wer die bösen Riesi sind. Frag deine eigenen inneren Figuren, sie lügen nicht.

143. Hast du 100 (Währung) schwarz verdient, so gib 200 (Währung) den Bedürftigen (selbst zu entscheiden). So funktioniert (Volks-, Mensch-, Erden-)Wirtschaft. Und sag das im Rahmen deiner Partei Das Blaue Osterei denen da oben (wer auch immer sie aktuell sind). So als Stein aus der Schleuder. Die Macht ist die Macht, ok, aber das macht ja nichts. Möglicherweise kann man mit der Macht auch was machen, schon morgen, was dann was ausmacht, also für alle; so mächtig, wie sie nun mal ist, die Macht.

144. Wurdest du gefressen, so spuck dich aus.

145. Lass bleiben, was noch zu tun wäre.

146. Mähe den Rasen, wenn du den Mond nicht mehr siehst.

147. Sieht dein Partneres den Mond nicht mehr, so mähe ihm ebenfalls den Rasen.


der mann und die frau (extrakt)

das zweistoeckige, voll unterkellerte hexenhaus mit spitzdach, neu beziegelt dunkelbraun und beschornsteint wegen des holzkamins knister flacker riech. im gang der tisch mit dem telefon mit der waehlscheibe, zettel, stifte, ein alphabetisches register; daneben ruht der sessel spartanisch.

es bellt kein klischee hund in der ferne oder naehe, und bellte doch eines, so handelte es sich um einen jack-russell-rueden, acht monate alt, gechipt, kastriert, geimpft, der, wenn seine herrin otto ruft, pariert, wie er anerzogen soll. es bellt maeht rasen kettensaegt laubsaugt auch kein nachbares in unmittelbarer naehe, darauf hatten die beiden, mann und frau, bei der hauswahl auswahl hausauswahl sorgsam geachtet, wie sie auch sonstiges sorgsam auswaehlen stets -waehlten, inklusive sie sich ihre partner vice versa, also sie sich selbst, einander, miteinander, hin-her gegenseitig: so zu sagen, sozusagen. drei kilometer auf das naechste mensches sind gefuehlte aeonen sicherheitsabstand fuer der beiden ueber der norm sensible nervengeflechte. gut so.

der mann sagte einmal, so erzaehlt die frau, er habe eine wahrnehmung, die es ihm erlaube, ziemlich viele zusammenhaenge sehen intuitiv wahrnehmen zu koennen, selbst solche, die es gar nicht gibt. lachen.

das einkommen des mannes schreibt sich von hand in blei oder tinte in leguangruen deckel-satinierte kladden, die, schleuderpreisig verramscht von der buchhandlung aus der stadt, der mann sich, zur rechten zeit am rechten ort (aber auf die sekunde!), komplett das ganze set, unter den nagel riss. kommt etwas unter den hammer, ist der nagel meist nicht fern: siehe auch => axt, haus => zimmermann/-frau, ersatz. die antraege, die der frau halbtaeglich zahlreich im buero in der stadt gemacht werden, bringen kundi, die nicht immer firm sind in der themenzentrierten interaktion nach ruth cohn, was meist, summiert, zum konventionellen wochenende hin fuer ein ueberlaufen des toleranzfasses der frau sorgt, wenn glueck: erst zu hause, wenn pech: den letzten beißen die hunde im buero. wenn glueck – wiederaufgenommen –, so schluckt der mann die bruehe und muenzt sie um in buchstaben in die kladde rein. wir schreiben hier nicht: gebt mir scheiße und ich mache gold daraus. nein, das schreiben wir hier nicht.

das konto ist saldenhaft schwarz und naehrt sich aemterlos. darauf ist man nicht stolz (dieser gewienerte pfau), sondern freut sich ob der freiheit, der gewissen, der einen, der letzten modernen: eigenes geld! der ruhe-freiheit. der unantastbarkeits-freiheit.

im untergeschoss liegt das reich der frau, und der mann aus dem obergeschoss und die frau besuchen sich oft, manchmal mehrmals taeglich. jeder hat seine raeume und doch ist man ehelich steuerlich gemeinschaftlich zugewinnend veranlagt, traegt sogar goldringe mit dem namen des anderen graviert. und nicht nur das! auch in den jeweiligen betten ist man ehelich und ausschließlich gemeinschaftlich veranlagt, da passt nichts zwischen (nicht einmal das finanzamt [kam auch noch kein prueferes {soll sich mal eines wagen!}]).

der weg der frau in den garten ist kuerzer als der des mannes: sie hat direkten zugriff: tuer (aus glas, abschließbar) in kueche auf, terrasse, gemaehtes gruen, die beiden langen, schlauchartigen beete links und rechts. der mann muss, will er in den garten, zunaechst durch die raeume der frau schreiten, was nicht zu kollisionen fuehrt: es hat seinen grund, dass die geschosse so besetzt sind: der frau waere eine dauerpraesenz des mannes nicht unlieb, der mann, mimose, kann nicht laengere zeit sozialitaet, moeglicherweise eine krankheit des geistes, vielleicht eine macke, wir wollen nicht analysieren. und: die kartoffeln haben es vom keller aus naeher zur frau, die zahllosen kisten mit buechern und fotos auf dem speicher fuehlen sich durch die ausziehbare Holzleiter angenehm nah dem mann.

das beet der frau links, fuer den rechten wildwuchs zeichnet der mann verantwortlich. (eigener absatz garten)

(eigener absatz kommunikation mit außenwelt: telefon analog gekabelt waehlscheibe, briefpost geschrieben von hand)

kommt in buch6, siehe impressum –


beschreibung einer verquasten gemengelage am tagesbeginn

ich moechte das wort verquast benutzen, um die (ich moechte das wort benutzen) gemengelage aus einer art gefuehl + rest-willen + weiterer merkwuerdiger, niedrig-triebiger ambitionen, mit der dieser tag begonnen werden wollte, zu beschreiben: die verquaste gefuehls-rest-willen-etc-gemengelage à la versuch, aus einer flasche (zum beispiel bischoff export), die eindeutig leer ist, sich doch noch ein glas voll (zum beispiel 0,4 l) einzuschenken. ok, kann ich so stehen lassen. inspiration gefangen, der tag ein erfolg schon von vornhereinden kubikdezimeter luft getroffen.


Forderungen, salzig

Die See forderte es. Die See machte Salzdurst. Die See hieß die Lippen lecken wollen. Die See rauschte Körpersäfte in Wellen. Die See machte Fischhunger, und die Harpunen schussbereit. Die See schonte nachts nicht die Strandkörbe und Dünengräser, und auch nicht unser Schlafenmüssen.

Die See rollte Kiesel glatt und spülte Algen, und wir waren nackt. Die See machte Geräusche, wir wollten auch. Die See sprach kosmisch, nachts, noch immer warm, und wir lagen verschmolzen. Die See schäumte uns vor, wir taten ihr nach. Die See spülte Hölzer an, und auch wir sprachen nichts. Die See war der Anfang, und wir wussten um das Ende. Die See rief: Flut!, und wir erklommen den Gipfel. Die See orderte Ebbe, wir tranken Espresso danach. Die See rückte Stühle, ich surfte in deinem Haar. Die See packte Koffer, während du Sterne schlucktest. Die See hatte einen Termin am Bahnsteig, und ich ging barfuß in deinem weichen Sand. Die See stieg in den Zug, während ich Tanker mit Segeln schmückte. Kein Taschentuch hatte die See bei sich, als du die Flossen anzogst und mit kräftigen Stößen davonschwammst. Die See winkte nass, dein Pfiff hallte nach.

Die See schaut meiner Brandung zu, und ich lecke Salz am Tisch.


die arroganz des unbekannten schenkeres

also gut, machen wir’s kurz, will mich nicht zu lange damit beschaeftigen, die sache abhaken, aus meinem leben bringen, aus der welt schaffen, obschon manches behauptet: scripta manent, was allerdings noch nie jemand wirklich beweisen konnte, schon allein, weil bei der verwendung dieses zitats sich meist ueber die dauer des manent ausgeschwiegen wird bzw. ueber die vorstellung einer dauer: sonne weg, alles weg, auch alle scriptas. nix manent. – nach einer neuronal-onanistischen weile, so meine sueße, aufs warten spezialisierte uebung (notgedrungen kraft erfahrung [naja, + meditation + einflussnahme eines gewissen restwillens]), wird die erinnerung an das autobiografische (in dem fall: siehe unten) verblasst sein und es bleibt ein text, ein gebilde, ein machwerk, das, urspruenglich ein zeckensaugen an einem alltagsmoment, somit verklaert, missbraucht zu schrift keine gliedmaßen mehr aufweist. mehr ist es nicht. man koennte es auch bleiben lassen, stuende dem nicht eine elende, luxurioese langeweile, gepaart mit einem was-mach-ich-denn-heute-nur-wieder-fuer-unsinn, gegenueber.

ganz kurz? ich heute morgen aus wohnung raus mehrfamilienhaus, haengt da dieser kleine plastiksack voll gebaeck am außenknauf der tuer. es ist der nikolaustag, dieses jahr uebrigens minusgradig, vereist, neblig, sonnenlos. somit also erste verbindung von mir zu gebaeck: aha!, nikolaus, da schenkt dir jemand was, freude angesichts der moeglicherweise selbstgebackenen herrlichkeit im durchsichtigen knisterpapier, versehen mit einer roten schleife. so kindlich die erste, umso existenzerhaltend (nachtraegliche bewertung) bedeutender die zweite klappe (klapp auf holz): kein absenderes. die oberstuebchenhafte (diesen ausdruck habe ich schon lange nicht mehr verwendet, fand ihn hier jedoch mal wieder passend an der zeit) rasterfahndung setzt ein: von x? von y? von a? von d aus der heerschaar der ds? wozu? schnell die entscheidung: zurueck in die wohnung, beutel in den muell. da koennt ja jedes. wer weiß, was wer warum. und wenn selbst gebacken, waren die haende gewaschen in unschuld? was tummelt sich in der masse kredenzt zu konsumieren arglos? falls nicht selbstgebacken: wo gekauft? es fehlt nicht nur ein beipackzettel, sondern auch ein mindesthaltbarkeitsdatum.

angesichts des termins, der mich zum verlassen meiner wohnung zwingt, stelle ich die tiefer greifende analyse der angelegenheit gebaecksack zurueck. zwei stunden bruttoaufwand @ arztbesuch, unter menschi in einem verhusteten, ueberheizten wartezimmer, guten tag und auf wiedersehen, verbunden mit der erwartungshaltung, dieses auch gefeedbackt zu bekommen, dieses jedoch nicht zu entgegnen, fordert ein betraechtliches maß an energie. wieso auf wiedersehen beim arzt, frage ich mich immer wieder, wenn. wer sonst nix hat. die faeden gezogen, zurueck ins reich.

perversion, mordanschlag oder arroganz? wer wollte mich ermorden? wir schließen das heute aus. ich bin zu unbedeutend und niemand profitierte wirklich von meinem eingehen in die verwandlung. perversion? evtl. subversiv, kann ich nicht wissen, will es auch nicht vertiefen, zumindest oeffentlich nicht, sonst wird’s faekal (wer hat da eben au ja! geschrien?); vielleicht zum spaß abends mit trulla, die darueber lachen wird, doch ein ungeeichtes leseres nicht (zumindest mal nicht das nicht-bukowski-und-nicht-céline-leseres oder sonstwie gezeichnete, verhaermte nicht). ich lege mich fest auf die gewollte deutung: arroganz, weil sie das gute nicht gaenzlich ausschließt: ich nehme also an, jemand hat in guter absicht gebacken und verteilt (evtl. gekauft und verteilt), moeglicherweise nicht nur an mich. aber dann!

– vorgeschaltet noch das eine: es wurde schlichtweg vergessen, den absendezettel anzuhaengen hahaha!, oder er fiel vom sack ab und harrt unter der fußmatte des befreienden gefundenwerdens (ich schaue nach: unter der matte ist nichts). ok, man kann ja auch mal einen zettel vergessen. vielleicht war es das. –

unterstellt, es wurde vorsaetzlich kein zettel attachiert: arroganz weil: das schenkeres davon ausgeht, man muesse wissen ahnen riechen spaetestens schmecken, von wem die sendung ist. ego-verblendung. wer haelt sich fuer so wichtig, dass er sie es denkt, ich muesse wissen … oder doch nur irrsinn? weil das schenkeres auf einer selbstgefaelligen schenkungswolke durch seine backkueche schwebt, sich vorstellt, wie der beschenkte (ich in dem fall) schmatzt und froh ist, nicht wissend, von wem die nikolausige gabe?

es klingelt und ich unterbreche mein tippen. die nachbarin steht vor der tuer.
«sorry. wurde bei ihnen heute morgen gebaeck angeliefert?»
«aehm, nein.»
«verdammt. meine mama hat mir gerade eben telefonisch hoch heilig versichert, sie habe mir heute morgen gebaeck an meine tuer gehaengt. ich hatte schon die vermutung, sie habe sich in der tuer geirrt.»
«tut mir leid. weiß nix.»
«kein problem. schoenen tag dann auch noch.»


tod auf dem flokati

susanna keyser, genannt sissi, am achtundzwanzigsten elften zweitausendsechzehn etwa um acht uhr morgens aufwachend zwischen stefan und staffan (beide noch schlafend in ihrer bloßheit [wir sehen nichts, da ordentlich zugedeckt]) – ja, zwischen,

weil sie sich nicht entscheiden kann:
also duerfen beide ran
–,

triebig zu stehen auf nackt zu fahren hoch den laptop zu schauen nach der zahlung aus provision, sollte heute gebucht sein; muss einkaufen. computer einschalten, ins bad, klo, waage: sechzig kilo (ok); ein blick in den rundspiegel auf augenhoehe an der wand, klassisch ueber dem lavabo: «bin ich’s noch?», ein beidhaendig-synchrones wischen von innen nach außen unter den bruesten durch die bauch-kontakt-falte: kein schweiß mehr.

artfremd zeichnen wir mal was: sissi, mitte fuenfzig, einsachtzig hoch, gewicht siehe oben, schlank bis zur nahezu po-losigkeit, kurzes, schwarz gefaerbtes haar, duennes gesicht, langer kopf, nasenzinken groß ueber der norm, extravagant gebogen, eingefallene wangen, falten, die haut braun von den urlauben in der tropensonne, in anzug und krawatte geht sie anstandslos als mann durch. verdient ihr geld mit dem vertrieb von anteilsscheinen am glueck, auf provisionsbasis, fuer die feliz navi s. a. r. l.

wenn ihr bis hierhin gelesen habt, weil ihr wissen wollt, wer sissi ist und wie es mit ihr weitergeht, solltest ihr euch niemals im leben ein buch von mir kaufen. hm, halt, stop – oder vielleicht gerade deswegen … weswegen? wegen der abbildung der wirklichkeit, von der man auch nie weiß, was sie von der großen glocke umhaengt an die kleine glocke (bimmelimmelimm)? thomas, nun muss ich doch mal mit dir ins gericht gehen, und zwar hart wie morgenlatte morgens um fuenf: was ist das fuer ein bewertungsrueckfall? das leseres kann selbst entscheiden, was es lesen will und was nicht. oh, stimmt, verdammt. naja, wer ist schon immer hundert prozent bewusst. tut mir leid. schon ok. mach einfach weiter und lass die dummen kommentare und bewertungen, weißt du doch eigentlich besser.

gut. ich mach weiter: sissi ist siehe oben ploetzlich und unerwartet vor ihrem morgenspiegel gestorben, und wir werden nie wieder was von ihr hoeren lesen, werden nie erfahren, wer stefan und staffan sind und wie sie mit sissis tod umgingen umgegangen sein werden, nachdem sie sie auf dem flokati im bad fanden gefunden haben hatten. was haette ich aus der feliz navi s. a. r. l. gemacht? andere treten derlei themen auf tausend seiten platt aus breit – nun ja, es gibt genug feliz navi gesellschaften auf der welt … anteilsscheine am glueck … – selber denken macht schlau.

feliz navi geht bei im unter auf schnee und -fall die glanstraße von kusel entlang, die rottweilerin sissi an seiner seite (rechts, der der straße abgewandten seite, in dem fall), deren (sissis) lefzengetriefe deutliche loecher in der weißen kaelte hinterlaesst. feliz navi hat vor seiner namensaenderung von christian mueller in feliz navi nicht im internet gesuchmaschint, ob es bereits jemanden gibt, der feliz navi heißt. ebensowenig hat der verfasser dieser hiermit online gestellten abstrusitaet gesuchmaschint, wie viele christian muellers es wohl gibt, die ihren namen von christian mueller in feliz navi aenderten geaendert haben vorhaben zu aendern. verklagungen wird entgegengesehen, weil ja heute jeder jeden jede jede jedes jedes wegen jedes … jedem … jeder … (bitte selber eintragen) … woher ruehrt diese verklagungsgeilheit? koennen die (ver)klaegeri nicht ihr geld anderweitig verdienen? liebe richteri, bitte bleibt bei der stange (siehe oben: morgenlatte), und geht nicht jedem honig aufs maulumschmierte eis, auch nicht im winter. sonst sag ich’s dem justizminister – lol.

nachdem sissi ausgelaufen und feliz rotnasig, kehren sie in ihre wohnung zurueck (einliegerwohnung im einfamilienhaus eines unternehmerehepaares [kinderlos]), heim, heimelig warm, feliz steckt den stecker des lichterbaumes in die steckdose, sissi kuschelt sich in ihr koerbchen vor dem sofa, knabbert ihren knochen, feliz stellt ihr das tv an und sich eine buchstabensuppe auf.


Die Stimme des Schicksals

«Ich bin die Stimme des Schicksals. Du Kröte freust dich? So richtig absichtslos? Wer sagt uns denn, dass deine Absichtslosigkeit nicht Absicht ist?»
«Servus Schicksal …»
«Halt! Ich bin die Stimme des Schicksals, nicht das Schicksal selbst …»
«Ach so, ok. Ich bedaure den Fauxpas … also nochmal: Servus Stimme des Schicksals. Wenn wir jetzt hier so anfangen, na dann brauchte ja niemand nix mehr zu äußern.»
«Korrekt. Ich will dir nur deine Illusion Freude nehmen.»
«Ah, cool. Und jetzt?»
«Es gibt keine in einem Forum gepostete absichtslose Freude. Wer postet, will damit etwas bezwecken. Du könntest es ja auch bleiben lassen, zuhause sitzen und dich freuen und zum Fenster raus gucken und gut ist.»
«Hm. Will man aber Freude nicht auch teilen? Also ich?»
«Du willst auf dich aufmerksam machen, und das ist eine Ego-Verwerflichkeit. Du willst, dass alle sagen: Guck mal, was der für geile Texte schreibt. Du willst, dass deine Bücher überdurchschnittliche Auflagen erzielen und dich zum Schotter führen.»
«Hm. Will ich das? Du willst mir meine Freude nehmen.»
«Lass uns uns gegenseitig Vorwürfe Verwerfungen an den Kopf werfen, wie bei einem alten Ehepaar.» Die Stimme des Schicksals lacht politisch.
«Auch gut. Lass uns uns Vorwürfe vorwerfen. Wie lange sind wir schon verheiratet?»
«Juwelenhochzeit.»
«Passt. Also dann sag ich dir jetzt mal was: ich bin es leid, immer dann, wenn ich mich mal wirklich freue, nach all den Jahren immer und immer wieder und immer noch, deine dämliche Stimme zu hören, die mir ein schlechtes Gewissen einreden will, wo ich doch gar kein Gewissen habe, also, inzwischen nicht mehr, denke ich. Außerdem muss ich erstmal noch schnell einkaufen, Bier, Wein, damit ich das hier durchstehe, hab nix mehr da.»
«Du bist absolut nicht kritikfähig, hast eine niedrige Frustrationstoleranz und deine Ausflüchte sind lächerlich. Bleib am Rohr und steh deinen Mann, auch ohne Suff.»



«Hallo?»



«Bin wieder da. Prost.» Trinkt ein Bier (Eichbaum Ureich Premium Pils, war im Angebot).
«Wo waren wir stehengeblieben?»
« Du wolltest mir gerade meine Freude kaputtmachen.»
«Ah, ja, genau. Äh, also bei mir ist im Moment etwas die Luft raus, ich glaube, ich habe schon alles gesagt. Du bist ein egoistischer Interessenverfolger deiner Interessen, deine Freude kannst du dir in die Haare schmieren.»
«Willst du die Scheidung?»
«Was soll das jetzt? Wir sind doch Juwelen!»
«Soll ich mich beim Schicksal über dich beschweren?»
«Das machst du nicht.» Ein Zittern in der Stimme, wahlweise Beben.
«Immerhin bist du nur die Stimme des, nicht das Schicksal selbst. Ich werde eine neue Sprecherin beantragen, die demokratisch zu wählen wäre im Namen der Freude.»
«Das kriegst du nicht durch. Die ganzen Parteien …»
«… und es ist nur in meinem Kopf HAHA … kennste?»
«Also, du versuchst, mich hier fertig zu machen. Hört jemand zu?»
«Jo, ich poste das überall. Wirst schon sehen.»
«Ich bin unter Termindruck, muss andere Freuden zerstören, im Namen des Schicksals, ich bin dann mal weg. Aber sag’s nicht dem Schicksal, dass ich bei dir nicht … Könnten wir uns darauf einigen?»
«Nein. Scheidung.»

(Die Stimme des Schicksals off)